Die “Filter Bubble” der Suchmaschinen – oder wie frei ist unsere Informationsgesellschaft wirklich?

Mai 9, 2011 | Posted by Rainer Fischinger | Internet Tags: , , , , ,

Filter Bubble (copyright by Eli Pariser)

Durch Andrea Reitmeiers SEO Blog und den Blog seo-united.de bin ich auf das Thema der “Filter Bubble” im Internet gestoßen. Mag es nicht so aufregend und spannend klingen, so sind die Erkenntnisse daraus meiner Meinung nach mehr als nur bedenklich.

Eli Pariser erklärt in diesem kurzen Video sehr genau, was er mit der Filter Bubble meint. Grund für die Thematisierung ist der neue Algorithmus von Google namens “Panda”, der zur Zeit in diversen Ländern (u.a. Deutschland) bereits ausgerollt und verwendet wird.

Was ist die “Filter Bubble” bzw. was macht Googles “Panda”?

Der Panda-Algorithmus von Google versucht, die Suchergebnisse optimal auf den User abzustimmen, und so die Suchergebnisse zu optimieren. Eli Pariser definiert aus diesen Möglichkeiten der Suchmaschinen, Online-Shops und Medien eine Blase, die als Filter im Internet zu erkennen ist.

Das Internet ist eine riesige Fülle aus Informationen. Google etwa versucht, die Suchergebnisse an mich persönlich anzupassen. Das passiert (lt. Eli Pariser) mit 57 verschiedenen Werten zu mir selbst, auch dann wenn ich kein Google-Konto besitze. Wo befinde ich mich, was für einen PC benutze ich, was waren meine letzten Suchanfragen und auf welche Links habe ich geklickt. Diese und weitere Werte finden Berücksichtigung im Algorithmus und ergeben so ein persönliches Suchergebnis. Daraus ergibt sich, wie im Bild oben erkennbar, eine Blase. In der Mitte stehe ich als User, rundherum die Informationen, die eine Suchmaschine für mich als relevant erachtet (aufgrund dieser 57 Werte). Die Problematik ist, dass die Informationen rundherum (außerhalb des Definitionsbereichs von Google) zwar Informationen sein können, die MICH interessieren, ich werde davon allerdings nichts erfahren. Keines dieser Ergebnisse wird angezeigt.

Wo werden Informationen gefiltert?

Google ist jedoch nicht der einzige Fall einer gravierenden Informationsfilterung im Internet. Auch Facebook zeigt lt. Eli Pariser nicht mehr alle Neuigkeiten meiner Freunde an. Sondern vorwiegend die Nachrichten, die von Personen kommen mit denen ich häufiger in Kontakt bin. Also deren Profilseite ich mir ansehe, deren Links ich klicke oder mit denen ich kommuniziere.

Kritisch betrachtet könnte man behaupten, dass die Print-Medien seit jeher eine Informationsfilterung vornehmen. Schließlich entscheidet der Redakteur für uns, welche Nachrichten wir am nächsten Tag lesen, und welche uns nicht erreichen werden. Doch schlussendlich hat man als Kunde am Kiosk immer noch die Möglichkeit, WELCHES der Blätter man sich kauft, somit liegt hier bei weitem weniger Informationseinschränkung vor. Auch wenn die politische Richtung einiger Print-Medien ebenso einen leichten Grad an Informations-Zensur bewirkt, wird dieser Effekt durch die Fülle an Medien wieder ausgeglichen. Im Internet hat dieser Effekt jedoch einen deutlich kleineren Einfluss, da Google einen derart starken Marktauftritt hat und als die Hauptinformationsquelle im Datennetz gilt.

Was sind die Folgen?

Die Folgen von einer derartigen Filterung sind klar und werden im Video ersichtlich. Information leidet in Ihrer Objektivität, Freiheit und Qualität. Die Inhalte von Google werden nicht von natürlichen Personen vorgefiltert, sondern von Maschinen. Beim jetzigen technischen Stand kann diesen nicht unterstellt werden, die Informationen wahrheitsgetreu und ethisch korrekt zu sortieren. Somit werden möglicherweise qualitativ hochwertige Internetseiten durch den Rost fallen, die jedoch die passende Information übermitteln würden. Wir können als Internetnutzer also den Nachrichten, die auf unseren Monitoren erscheinen, nicht mehr vollwertig vertrauen. Denn ein großes Spektrum der Informationsflut wird uns niemals erreichen sondern wird von einem mathematischen Algorithmus einfach entfernt.

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