Wie hat Google+ die soziale Netzwerkwelt verändert?

September 22, 2011 | Posted by Rainer Fischinger | Soziale Netzwerke Tags: , , , , , , ,

Seit einigen Wochen ist das neue soziale Netzwerk von Google namens “Google+” (oder Google Plus) online und in einer ersten Testphase. Vor wenigen Tagen ist das Netzwerk nun für alle User frei geschalten worden und daher ist es an der Zeit, einen kleinen Blick auf den bisherigen Verlauf und auch die Veränderungen der “social network”-Umwelt zu betrachten.

Was ist Google+ überhaupt und wie unterscheidet es sich?

Logo Google+ (copyright by Google)

Google+ (Google Plus) ist ein soziales Netzwerk vergleichbar mit Facebook (wohl auch der Hauptkonkurrent in Europa). Klassische Features wie der News-Stream (die neuesten Nachrichten meiner “Freunde”) und auch der persönliche Chat mit einem User sind selbstverständlich einige der Hauptelemente des Netzwerks. Dennoch ist Google mit seinem Netzwerk in der Entwicklung in die Tiefe gegangen und dürfte versucht haben, die Vor- und Nachteile von bestehenden Netzwerken zu analysieren und in ein optimales Produkt zu bauen.

Der wohl größte Unterschied zu Facebook ist das “Freundschaftsprinzip”. Bedeutet bei Facebook eine Freundschaft automatisch eine beidseitige Beziehung, so ist dies bei Google+ nicht der Fall. Es gibt ja durchaus Personen in einem Netzwerk, die ich gar nicht kenne, deren Inhalt mich jedoch interessiert. Umgekehrt heißt es jedoch nicht, dass meine Inhalte auch diese Person interessieren. Daher hat Google das Prinzip von Twitter gewählt. Ich kann einer Person folgen und deren Posts erhalten, diese andere Person KANN, aber MUSS mir nicht folgen. Somit ist gewährleistet, dass ich wirklich auch nur die Inhalte zu lesen bekomme, die mich wirklich interessieren.

Die “Freundschaften” können in eigene Kreise (Circles) mittels äußerst userfreundliche HTML5-Technologie eingeteilt werden (per Drag-and-Drop), Kreise können natürlich selbst erstellt, geändert und gelöscht werden. Zusätzlich habe ich die Möglichkeit, mir den Stream der Neuigkeiten auch nur von einem speziellen Kreis anzeigen zu lassen, oder den gesamten Stream aller Personen denen ich folge.

Hangouts sind ein weiterer und nicht vernachlässigbarer Unterschied zu bisherigen Systemen. Ein Hangout ist nichts anderes als ein Interessensgebiet, dass ich in Google+ abspeichern kann und ich für dieses Gebiet die neuesten Meldungen bekomme. Will heißen, Google nutzt die Möglichkeit seiner Suchmaschine und seiner Suchbots und liefert mir automatisch zu diesem Thema die neuesten Einträge im Index von Google.

Dies sind nur einige der Neuigkeiten, die in Google+ umgesetzt wurden, eine Detailauflistung und Analyse würde definitiv den Umfang eines Blogbeitrags sprengen! Fazit ist, dass sich Google sehr genaue Gedanken über die Privatsphäre und die Beziehungen der User untereinander Gedanken gemacht und diese im Vergleich zu Facebook deutlich besser umgesetzt hat.

Auf wen oder was zielt Google+ ab?

Google+ Circles

Eine nicht unbedingt leicht zu beantwortende Frage. Aber auf jeden Fall auf Personen, die klassischerweise die “early adopters“, die jedes Netzwerk sofort erkunden wollen. Zusätzlich auf Personen, die mit den Rechtevergaben und auch der Handhabung der Privatsphäre und deren Einstellungsmöglichkeiten bei Facebook auf Kriegsfuß sind sowie auf Neugierige Webtechnik-Interessierte. Mit der Öffnung des Portals für alle User wird sich diese Mischung jedoch drastisch ändern, wurde doch mit den Spielen (wie schon bei Facebook bekannt) die Grundlage für das klassische “social network” Publikum a lá Facebook geschaffen. Es bleibt jedoch abzuwarten, wie groß der Zuwanderungsstrom (der in den ersten Wochen Rekordausmaße nahm) bleibt und wie hoch die Abwanderungsrate von Facebook sein wird. Viele User werden sich nicht in zwei Netzwerken im gleichen Ausmaß tummeln, weswegen meiner Meinung nach vorerst noch viele beim altbekannten Facebook bleiben werden.

Wie haben sich die sozialen Netzwerke verändert?

Die Aufregung rund um das Netzwerk von Google war enorm groß. Der massive Useranstieg in den ersten Wochen sorgte ohne Zweifel für ein Aufhorchen und Nachdenken in den verschiedenen sozialen Netzwerken. Einem Riesen wie Google wird natürlich zugetraut, ein Netzwerk mit gewaltiger personeller Kraft umzusetzen und in kürzester Zeit zu optimieren. Die Auswirkungen waren bereits nach kurzer Zeit im Umfeld zu spüren.

Twitter startete schnell seinen eigenen Bilddienst, um mehr Emotionen in das Netzwerk zu bekommen. Somit hat nun jeder User eine Bildvorschau bei getwitterten Images. Ob der Erfolg der Plattform maßgeblich an diesem Feature abhängen wird? Wohl eher nicht. Was jedoch deutlich zu spüren ist: News, neue Inhalte auf Webseiten und dergleichen wurden früher zumeist über Twitter in kürzester Zeit im Netz verteilt. Doch die einfache Möglichkeit in Google+ Inhalte von anderen weiter zu verteilen (ähnlich wie ein ReTweet) könnte die Informationsweitergabe durchaus verstärkt auf das Google Netzwerk verlagern.

Facebook hat wohl die größten Änderungen in der kürzesten Zeit seit Bestehen vollzogen. Seit Google+ mit massiven Useranstiegen aufhorchen ließ, wurden im Hintergrund die Zahnrädchen gedreht und die Entwicklungsabteilungen dürften auf Hochtouren gelaufen sein. Änderungen in der Privatsphäre und auch seit einigen Tagen eine komplett neue und überarbeitete Oberfläche von Facebook zeugen von der Angst vor Googles neuem Netzwerk. Neuigkeiten werden jetzt schneller geladen, die Unterscheidung von Hauptmeldungen und Neuesten Meldungen ist weggefallen, eine Box im rechten oberen Bereich zeigt nun aktuelle Vorgänge wie neue markierte Personen auf Bildern und auch neue “gefällt mir”.

Daher kann man getrost sagen, dass Google mit seinem Netzwerk Google+ unumstritten den zuvor etwas eingeschlafenen und starren Markt der sozialen Netzwerke wieder wachgerüttelt hat. Die Bewegungen, die zur Zeit stattfinden sind nicht immer leicht zu überblicken, aber im ersten Schritt dürften sich die Netzwerke durchwegs positiv weiterentwickeln.

 

Tags: , , , , , , ,

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title="" rel=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

eMail-Benachrichtigung bei weiteren Kommentaren.
Auch möglich: Abo ohne Kommentar.